Ratingagenturen und Verbriefungskrise
Being Foreclosed on the American Dream |
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| Seit nunmehr fast zwei Jahren beherrscht die aktuelle Krise, die sich von der Subprimekrise über die Verbriefungs- zur Finanzmarktkrise hin zur schweren Rezession ausgeweitet hat, deren Auswirkungen aktuell noch nicht genau quantifizierbar sind, die ökonomische Medienlandschaft. Erwartet wird die schwerste Rezession seit der Großen Depression. Eine komplette Analyse der letzten zwei Jahre sprengt den Rahmen einer Diplomarbeit. Diese Arbeit betrachtet daher die der Krise als Verbriefungskrise i.e.S. und klammert die nachfolgende Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise weitgehend aus. |
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Seit nunmehr fast zwei Jahren beherrscht die aktuelle Krise, die sich von der Subprimekrise über die Verbriefungs- zur Finanzmarktkrise hin zur schweren Rezession ausgeweitet hat, deren Auswirkungen aktuell noch nicht genau quantifizierbar sind, die ökonomische Medienlandschaft. Erwartet wird die schwerste Rezession seit der Großen Depression. Eine komplette Analyse der letzten zwei Jahre sprengt den Rahmen einer Diplomarbeit. Diese Arbeit betrachtet daher die der Krise als Verbriefungskrise i.e.S. und klammert die nachfolgende Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise weitgehend aus. Aus dieser Sicht ergeben sich drei Themenkomplexe. Zum Verständnis der Blase am US-Eigennutzerimmobilienmarkt ist zunächst einmal die Analyse des US-Eigennutzerimmobilienmarktes sowie zugehörigen Primär- und Sekundärmarktes für Finanzierungen notwendig. Diese Märkte haben eine völlig andere Funktionsweise als z.B. in Deutschland. Zwar wurde die Bedeutung der Government Sponsored Enterprises (GSEs) Fannie Mae und Freddie Mac von Albrecht2 untersucht; vor Beginn der Krise war das Interesse an diesen Märkten und demnach ist auch das Verständnis dieser Märkte noch immer gering. So zitiert Rudolph3 einen Immobilienfinanzierungsratgeber aus dem Jahre 1982 und verweist auf zahlreiche innovative Finanzierungsformen, die seit Anfang der 80er Jahre entstanden seien. Die dort angeführten Produkte sind jedoch allesamt Nischenprodukte geblieben und haben keinen Bezug zur aktuellen Krise, lediglich das Konzept der ‘Shared Appreciation Mortgage (SAM)’ weist eine entfernte Ähnlichkeit zu den (Pay)-option-ARM Darlehen auf. Maßgeblicher Unterschied zwischen beiden Darlehensformen ist, dass ein option-ARM-Darlehen trotz Verschiebung von Zahlungen in die Zukunft noch immer ein Festbetragsanspruch ist, während der Kreditgeber bei SAMs als Ausgleich für einen niedrigeren Zinssatz einen Teil der Wertsteigerung der Immobilie erhält. Zu den Ursachen des Immobilienbooms schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Publikation von Juli 2008: ‚Der Immobilienpreisboom fußte unter anderem auf einem starken Wachstum der verfügbaren Einkommen und einem deutlichen Zuwachs der Beschäftigung’. Hier verwechselt das IW Henne und Ei. Richtig ist, dass die Refinanzierung eines Hypothekendarlehens ohne Aufstockung zu niedrigerem Zinssatz bei gleicher Laufzeit einen Einkommenseffekt mit sich bringt. Diese c.p.-Bedingung war jedoch eine Ausnahme und keinesfalls die Regel; insbesondere in den Endjahren des Booms zwischen 2005 und 2007 wurden gigantische Summen aus einer zusätzlichen Belastung der Immobilie in den privaten Verbrauch umgeleitet. Wie bei einem Unternehmen in rauer See wurden „stille Reserven“ gehoben, weil das laufende Einkommen zu niedrig war, um notwendige oder gewünschte Ausgaben zu bestreiten. Die Entwicklung der Beschäftigungszahlen nach der (milden) Rezession 2001/2002 war im Vergleich zu früheren Zyklen eher verhalten; die durch die zunehmende Verbraucherverschuldung profitierenden Sektoren Einzelhandel, Leisure & Hospitality sowie Entertainment zeichnen sich durch ein geringes Vergütungsniveau aus. Resultat waren stagnierende oder in den unteren Vergütungsklassen sogar sinkende Realeinkommen. Die theoretischen Hintergründe zu Verbriefung und Kreditrisikotransfer sind gut erforscht und an zahlreichen Arbeiten bis zu den von Akerlof und Spence geschaffenen Grundlagen zurückzuverfolgen. Die Realität ist jedoch weitaus komplexer als die diskutierten Modelle. RMBS und CDO, insbesondere CDO, die aus bereits verbrieftem Kollateral entstanden sind, fallen unter denselben Oberbegriff der ABS im weiteren Sinne4, zeigen aber in der aktuellen Krise ein völlig verschiedenes Verhalten. Somit ist eine detaillierte Betrachtung der verschiedenen Produktklassen erforderlich. Mit der falschen Beurteilung der Risiken strukturierter Produkte verbunden ist die Überschätzung der Rolle der Ratingagenturen. Aufgrund der hohen Ratings strukturierter Produkte und der regulatorischen Bevorzugung -so z.B. nur 7% Risikogewicht für granulare Senior-Tranchen von Verbriefungen- war es bequem, sich bei Anlageentscheidungen auf das Rating zu verlassen, anstatt die Möglichkeit und die Auswirkungen eines Trendbruches zu hinterfragen. Ein Rating ist jedoch die Aggregation von vielen Informationen in einem eindimensionalen Symbol; um als Investor den Wert eines Ratings als Entscheidungskriterium zu kennen, muß klar sein, welche Informationen in dieses Rating eingegangen sind, welche nicht und welche Informationen bei der Verdichtung auf ein Symbol verloren gegangen sind. Somit hat diese Arbeit drei Ziele. Zunächst soll eine solide Übersicht über die Funktionsweise des US-Immobilienmarktes geschaffen werden. Im nächsten Schritt soll die Präsentation der theoretischen Grundlagen von Kreditrisikotransfer und Kreditverbriefung und die Untersuchung der Merkmale von RMBS und CDO Verbriefungen erfolgen. Anschließend soll der Leser eine Zusammenstellung der Ratingmodelle sowie eine Übersicht über die Schwächen des Ratingprozess erhalten.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I Executive Summary V Abbildungsverzeichnis VII Tabellenverzeichnis IX Abkürzungsverzeichnis X Symbolverzeichnis XIV
1. Problemstellung und Gang der Untersuchung 1 1.1 Problemstellung der Arbeit 1 1.2 Eine Chronologie - Von der Subprime-Krise zur Wirtschaftskrise 3 1.3 Gang der Untersuchung 6
2. Der US-Markt für grundpfandrechtlich besicherte Privatkundenkredite 8 2.1 Der US-Primärmarkt für grundpfandrechtlich gesicherte Privatkundenkredite - Struktur, Entwicklung, Marktteilnehmer und Produkte 8 2.1.1 Wohneigentum in den USA - Erwerb und Finanzierung 8 2.1.2 Marktteilnehmer des Primärmarktes 13 2.1.3 Terminologie der Immobilienfinanzierungsprodukte 15 2.1.4 Das Hypothekendarlehen als Optionskombination 16 2.2 Der US-Sekundärmarkt für private Hypothekenkredite 21 2.2.1 Entstehung desSekundärmarktes 21 2.2.2 Aktuelle Situation des Sekundärmarktes 24 2.3 Subprime Loans als neues Marktsegment 27 2.3.1 Entstehen des Subprime-Marktes 27 2.3.2 Ökonomie des Subprime-Marktes 28 2.3.3 Bestandsaufnahme der Subprimekrise 30 2.3.4 Analyse der Subprimekrise: Being Foreclosed on the American Dream 35
3. Kreditverbriefung und Kreditrisikotransfer 45 3.1 Kreditverbriefung und Kreditriskotransfer - eine kurze theoretische Betrachtung 45 3.1.1 Vorüberlegungen zu Kreditverbriefung und Kreditriskotransfer 45 3.1.2 Informationsasymmetrien und Signalisierung in der Unternehmensfinanzierung 47 3.1.3 Übertragung der Erkenntnisse auf den Wertpapiermarkt 49 3.1.4 Forschungsstand zum Kreditrisikotransfer bei Krisenausbruch 51 3.1.5 Auswirkungen von Kreditrisikotransfer auf das Risiko im Banksystem 55 3.2 Mortgage Backed Securities 61 3.2.1 Die Beispieltransaktion GSAMP Trust 2006-NC2 61 3.2.2 Credit Enhancement (CE) und Cash Flow Waterfall 61 3.2.2 Credit Enhancement (CE), Cash Flow Waterfall und ShiftingInterest Structure 64 3.2.3 Verlustabschätzung der Beispieltransaktion 66 3.3 Collateralized Debt Obligations (CDO) 71 3.3.1 Grundlagen und Klassifizierung 71 3.3.2 Structured Finance CDO (SF-CDO) - Reverbriefungen als Treiber der Krise 72 3.4 ‘Cliff Risk’, Risikokonzentration und Risikodestillation als Eigenschaft strukturierter Produkte 75 3.4.1 Die Risikodynamik strukturierter Produkte 75 3.4.2 Risikokonzentration in Reverbriefungen - Ein numerisches Beispiel 78
4. Ratingprozesse für strukturierte Produkte 82 4.1 FitchRatings 82 4.1.1 RMBS-Ratingprozess 82 4.1.1.1 Modellgrundlagen 82 4.1.1.2 Modellaufbau 83 4.1.1.3 Modifikationen in Folge der Verbriefungskrise 88 4.1.2 CDO-Ratingprozess 89 4.1.2.1 Modellgrundlagen 89 4.1.2.2 Modellaufbau 90 4.1.2.3 Modifikationen in Folge der Verbriefungskrise 94 4.2 Moody´s Investors Service 98 4.2.1 RMBS-Ratingprozess 98 4.2.1.1 Modellgrundlagen 98 4.2.1.2 Modellaufbau 99 4.2.1.3 Modifikationen im Rahmen der Verbriefungskrise 100 4.2.2 CDO-Ratingprozess 102 4.2.2.1 Grundlagen 102 4.2.2.2 Moody´s Binomial Expansion Technique (BET), Double- und Multi-BET 103 4.2.2.3 Moody´s Correlated Binomial Method (CBM) 107 4.2.2.4 Moody´s CDOROM 110 4.2.2.5 Modifikationen der CDO-Ratingmodelle in Folge der Verbriefungskrise 112 4.3 Standard & Poor´s 113 4.3.1 RMBS-Ratingprozess 113 4.3.1.1 Modellgrundlagen 113 4.3.1.2 Modellaufbau 113 4.3.1.3 Modifikationen im Rahmen der Verbriefungskrise 115 4.3.2 CDO-Ratingprozess 116 4.3.2.1 Modellgrundlagen 116 4.3.2.2 Modellaufbau 116 4.3.2.3 Modifikationen im Rahmen der Verbriefungskrise 119 4.4 Synopse der Ratingmodelle 121 4.4.1 RMBS-Modelle 121 4.4.2 CDO-Modelle 123
5. Kritische Würdigung der Rolle der Ratingagenturen 125 5.1 Transfer des Expectation Gap auf die Rolle der Ratingagenturen 125 5.2 Modellschwächen 126 5.2.1 Corporate vs. Structured Finance-Ratings 126 5.2.2 Parameterunsicherheit: Ausfallraten und Korrelation 129 5.2.3 Adverse Selektion des Kollaterals 130 5.3 Reputationsmechanismus 133 5.3.1 Marktstruktur und NRSRO-Status 133 5.3.2 Bedeutung des Reputationsmechanismus 134 5.3.3 Versagen des Reputationsmechanismus 135 5.3.4 Transparenz vs. Gaming the Models 137 5.4 Issuer Pays-Konflikt 140 5.5 Fehlinterpretation von Ratings durch Investoren 141 5.6 Einordnung der Problemfelder in den Expectation-Gap-Rahmen 143 5.7 Regulierung 143
6. Ausblick 144 6.1 Securitization - the tragedy of the commons? 144 6.2 Künftige Rolle der Ratingagenturen 146 6.3 Ökonomischer Ausblick 147
Anhang XVIII Literaturverzeichnis XLV
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| Typ: |
Diplomarbeit |
| Kategorie: |
Immobilienfinanzierung |
| Schwerpunkt: |
Immobilienfinanzierung |
| Artikelnr.: |
ISBN 978-3-8366-3514-1 |
| Jahrgang: |
09/2009 |
| Anbieter: |
Diplomica Verlag GmbH |
| Autor: |
Böhm, Christian |
| Umfang: |
95 Seiten |
| Note: |
1,0 |
| Art der Hochschule: |
Duisburg, Universität Duisburg-Essen |
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