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Innovationspreis 2006 Wissensmangement
Ratingagenturen und Verbriefungskrise
Being Foreclosed on the American Dream
 
Seit nunmehr fast zwei Jahren beherrscht die aktuelle Krise, die sich von der Subprimekrise über die Verbriefungs- zur Finanzmarktkrise hin zur schweren Rezession ausgeweitet hat, deren Auswirkungen aktuell noch nicht genau quantifizierbar sind, die ökonomische Medienlandschaft. Erwartet wird die schwerste Rezession seit der Großen Depression. Eine komplette Analyse der letzten zwei Jahre sprengt den Rahmen einer Diplomarbeit. Diese Arbeit betrachtet daher die der Krise als Verbriefungskrise i.e.S. und klammert die nachfolgende Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise weitgehend aus.
 
Seit nunmehr fast zwei Jahren beherrscht die aktuelle Krise, die sich von der Subprimekrise über die Verbriefungs- zur Finanzmarktkrise hin zur schweren Rezession ausgeweitet hat, deren Auswirkungen aktuell noch nicht genau quantifizierbar sind, die ökonomische Medienlandschaft. Erwartet wird die schwerste Rezession seit der Großen Depression. Eine komplette Analyse der letzten zwei Jahre sprengt den Rahmen einer Diplomarbeit. Diese Arbeit betrachtet daher die der Krise als Verbriefungskrise i.e.S. und klammert die nachfolgende Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise weitgehend aus.
Aus dieser Sicht ergeben sich drei Themenkomplexe. Zum Verständnis der Blase am US-Eigennutzerimmobilienmarkt ist zunächst einmal die Analyse des US-Eigennutzerimmobilienmarktes sowie zugehörigen Primär- und Sekundärmarktes für Finanzierungen notwendig. Diese Märkte haben eine völlig andere Funktionsweise als z.B. in Deutschland. Zwar wurde die Bedeutung der Government Sponsored Enterprises (GSEs) Fannie Mae und Freddie Mac von Albrecht2 untersucht; vor Beginn der Krise war das Interesse an diesen Märkten und demnach ist auch das Verständnis dieser Märkte noch immer gering.
So zitiert Rudolph3 einen Immobilienfinanzierungsratgeber aus dem Jahre 1982 und verweist auf zahlreiche innovative Finanzierungsformen, die seit Anfang der 80er Jahre entstanden seien. Die dort angeführten Produkte sind jedoch allesamt Nischenprodukte geblieben und haben keinen Bezug zur aktuellen Krise, lediglich das Konzept der ‘Shared Appreciation Mortgage (SAM)’ weist eine entfernte Ähnlichkeit zu den (Pay)-option-ARM Darlehen auf. Maßgeblicher Unterschied zwischen beiden Darlehensformen ist, dass ein option-ARM-Darlehen trotz Verschiebung von Zahlungen in die Zukunft noch immer ein Festbetragsanspruch ist, während der Kreditgeber bei SAMs als Ausgleich für einen niedrigeren Zinssatz einen Teil der Wertsteigerung der Immobilie erhält.
Zu den Ursachen des Immobilienbooms schreibt das Institut der deutschen Wirtschaft in einer Publikation von Juli 2008:
‚Der Immobilienpreisboom fußte unter anderem auf einem starken Wachstum der verfügbaren Einkommen und einem deutlichen Zuwachs der Beschäftigung’.
Hier verwechselt das IW Henne und Ei. Richtig ist, dass die Refinanzierung eines Hypothekendarlehens ohne Aufstockung zu niedrigerem Zinssatz bei gleicher Laufzeit einen Einkommenseffekt mit sich bringt. Diese c.p.-Bedingung war jedoch eine Ausnahme und keinesfalls die Regel; insbesondere in den Endjahren des Booms zwischen 2005 und 2007 wurden gigantische Summen aus einer zusätzlichen Belastung der Immobilie in den privaten Verbrauch umgeleitet. Wie bei einem Unternehmen in rauer See wurden „stille Reserven“ gehoben, weil das laufende Einkommen zu niedrig war, um notwendige oder gewünschte Ausgaben zu bestreiten. Die Entwicklung der Beschäftigungszahlen nach der (milden) Rezession 2001/2002 war im Vergleich zu früheren Zyklen eher verhalten; die durch die zunehmende Verbraucherverschuldung profitierenden Sektoren Einzelhandel, Leisure & Hospitality sowie Entertainment zeichnen sich durch ein geringes Vergütungsniveau aus. Resultat waren stagnierende oder in den unteren Vergütungsklassen sogar sinkende Realeinkommen.
Die theoretischen Hintergründe zu Verbriefung und Kreditrisikotransfer sind gut erforscht und an zahlreichen Arbeiten bis zu den von Akerlof und Spence geschaffenen Grundlagen zurückzuverfolgen. Die Realität ist jedoch weitaus komplexer als die diskutierten Modelle. RMBS und CDO, insbesondere CDO, die aus bereits verbrieftem Kollateral entstanden sind, fallen unter denselben Oberbegriff der ABS im weiteren Sinne4, zeigen aber in der aktuellen Krise ein völlig verschiedenes Verhalten.
Somit ist eine detaillierte Betrachtung der verschiedenen Produktklassen erforderlich. Mit der falschen Beurteilung der Risiken strukturierter Produkte verbunden ist die Überschätzung der Rolle der Ratingagenturen. Aufgrund der hohen Ratings strukturierter Produkte und der regulatorischen Bevorzugung -so z.B. nur 7% Risikogewicht für granulare Senior-Tranchen von Verbriefungen- war es bequem, sich bei Anlageentscheidungen auf das Rating zu verlassen, anstatt die Möglichkeit und die Auswirkungen eines Trendbruches zu hinterfragen. Ein Rating ist jedoch die Aggregation von vielen Informationen in einem eindimensionalen Symbol; um als Investor den Wert eines Ratings als Entscheidungskriterium zu kennen, muß klar sein, welche Informationen in dieses Rating eingegangen sind, welche nicht und welche Informationen bei der Verdichtung auf ein Symbol verloren gegangen sind. Somit hat diese Arbeit drei Ziele. Zunächst soll eine solide Übersicht über die Funktionsweise des US-Immobilienmarktes geschaffen werden. Im nächsten Schritt soll die Präsentation der theoretischen Grundlagen von Kreditrisikotransfer und Kreditverbriefung und die Untersuchung der Merkmale von RMBS und CDO Verbriefungen erfolgen. Anschließend soll der Leser eine Zusammenstellung der Ratingmodelle sowie eine Übersicht über die Schwächen des Ratingprozess erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis    I
Executive Summary    V
Abbildungsverzeichnis    VII
Tabellenverzeichnis    IX
Abkürzungsverzeichnis    X
Symbolverzeichnis    XIV

1.    Problemstellung und Gang der Untersuchung    1
1.1    Problemstellung der Arbeit    1
1.2    Eine Chronologie - Von der Subprime-Krise zur Wirtschaftskrise    3
1.3    Gang der Untersuchung    6

2.    Der US-Markt für grundpfandrechtlich besicherte Privatkundenkredite    8
2.1    Der US-Primärmarkt für grundpfandrechtlich gesicherte Privatkundenkredite - Struktur, Entwicklung, Marktteilnehmer und Produkte    8
2.1.1    Wohneigentum in den USA - Erwerb und Finanzierung    8
2.1.2    Marktteilnehmer des Primärmarktes    13
2.1.3    Terminologie der Immobilienfinanzierungsprodukte    15
2.1.4    Das Hypothekendarlehen als Optionskombination    16
2.2    Der US-Sekundärmarkt für private Hypothekenkredite    21
2.2.1    Entstehung desSekundärmarktes    21
2.2.2    Aktuelle Situation des Sekundärmarktes    24
2.3    Subprime Loans als neues Marktsegment    27
2.3.1    Entstehen des Subprime-Marktes    27
2.3.2    Ökonomie des Subprime-Marktes    28
2.3.3    Bestandsaufnahme der Subprimekrise    30
2.3.4    Analyse der Subprimekrise: Being Foreclosed on the American Dream    35


3.    Kreditverbriefung und Kreditrisikotransfer    45
3.1    Kreditverbriefung und Kreditriskotransfer - eine kurze theoretische Betrachtung    45
3.1.1    Vorüberlegungen zu Kreditverbriefung und Kreditriskotransfer    45
3.1.2    Informationsasymmetrien und Signalisierung in der Unternehmensfinanzierung    47
3.1.3    Übertragung der Erkenntnisse auf den Wertpapiermarkt    49
3.1.4    Forschungsstand zum Kreditrisikotransfer bei Krisenausbruch    51
3.1.5    Auswirkungen von Kreditrisikotransfer auf das Risiko im Banksystem    55
3.2    Mortgage Backed Securities    61
3.2.1    Die Beispieltransaktion GSAMP Trust 2006-NC2    61
3.2.2    Credit Enhancement (CE) und Cash Flow Waterfall    61
3.2.2    Credit Enhancement (CE), Cash Flow Waterfall und ShiftingInterest Structure    64
3.2.3    Verlustabschätzung der Beispieltransaktion    66
3.3    Collateralized Debt Obligations (CDO)    71
3.3.1    Grundlagen und Klassifizierung    71
3.3.2    Structured Finance CDO (SF-CDO) - Reverbriefungen als Treiber der Krise    72
3.4    ‘Cliff Risk’, Risikokonzentration und Risikodestillation als Eigenschaft strukturierter Produkte    75
3.4.1    Die Risikodynamik strukturierter Produkte    75
3.4.2    Risikokonzentration in Reverbriefungen - Ein numerisches Beispiel    78

4.    Ratingprozesse für strukturierte Produkte    82
4.1    FitchRatings    82
4.1.1    RMBS-Ratingprozess    82
4.1.1.1    Modellgrundlagen    82
4.1.1.2    Modellaufbau    83
4.1.1.3    Modifikationen in Folge der Verbriefungskrise    88
4.1.2    CDO-Ratingprozess    89
4.1.2.1    Modellgrundlagen    89
4.1.2.2    Modellaufbau    90
4.1.2.3    Modifikationen in Folge der Verbriefungskrise    94
4.2    Moody´s Investors Service    98
4.2.1    RMBS-Ratingprozess    98
4.2.1.1    Modellgrundlagen    98
4.2.1.2    Modellaufbau    99
4.2.1.3    Modifikationen im Rahmen der Verbriefungskrise    100
4.2.2 CDO-Ratingprozess    102
4.2.2.1    Grundlagen    102
4.2.2.2    Moody´s Binomial Expansion Technique (BET), Double- und Multi-BET    103
4.2.2.3    Moody´s Correlated Binomial Method (CBM)    107
4.2.2.4    Moody´s CDOROM    110
4.2.2.5    Modifikationen der CDO-Ratingmodelle in Folge der Verbriefungskrise    112
4.3    Standard & Poor´s    113
4.3.1    RMBS-Ratingprozess    113
4.3.1.1    Modellgrundlagen    113
4.3.1.2    Modellaufbau    113
4.3.1.3    Modifikationen im Rahmen der Verbriefungskrise    115
4.3.2    CDO-Ratingprozess    116
4.3.2.1    Modellgrundlagen    116
4.3.2.2    Modellaufbau    116
4.3.2.3    Modifikationen im Rahmen der Verbriefungskrise    119
4.4    Synopse der Ratingmodelle    121
4.4.1    RMBS-Modelle    121
4.4.2    CDO-Modelle    123

5.    Kritische Würdigung der Rolle der Ratingagenturen    125
5.1    Transfer des Expectation Gap auf die Rolle der Ratingagenturen    125
5.2    Modellschwächen    126
5.2.1    Corporate vs. Structured Finance-Ratings    126
5.2.2    Parameterunsicherheit: Ausfallraten und Korrelation    129
5.2.3    Adverse Selektion des Kollaterals    130
5.3    Reputationsmechanismus    133
5.3.1    Marktstruktur und NRSRO-Status    133
5.3.2    Bedeutung des Reputationsmechanismus    134
5.3.3    Versagen des Reputationsmechanismus    135
5.3.4    Transparenz vs. Gaming the Models    137
5.4    Issuer Pays-Konflikt    140
5.5    Fehlinterpretation von Ratings durch Investoren    141
5.6    Einordnung der Problemfelder in den Expectation-Gap-Rahmen    143
5.7    Regulierung    143

6.    Ausblick    144
6.1    Securitization - the tragedy of the commons?    144
6.2    Künftige Rolle der Ratingagenturen    146
6.3    Ökonomischer Ausblick    147

Anhang    XVIII
Literaturverzeichnis    XLV

 
Alle wichtigen Daten auf einen Blick
Typ: Diplomarbeit
Kategorie: Immobilienfinanzierung
Schwerpunkt: Immobilienfinanzierung
Artikelnr.: ISBN 978-3-8366-3514-1
Jahrgang: 09/2009
Anbieter: Diplomica Verlag GmbH
Autor: Böhm, Christian
Umfang: 95 Seiten
Note: 1,0
Art der Hochschule: Duisburg, Universität Duisburg-Essen
 
Verfügbare Formate: Netto-Preis:  
54,21 €
Ratingagenturen und Verbriefungskrise
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